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Nashorn Tsavo East Nationalpark. / Foto © WWF

GENÜGSAM: Das Spitzmaulnashorn ernährt sich nur von Pflanzenkost. / Foto © WWF

Reportage mit Frank Elstner

Kampf gegen die Nashorn-Mafia

  • Artikel vom 29. Dezember 2018

Afrikas Wildhüter leben gefährlich. Für eine neue Reportage hat TV-Moderator Frank Elstner sie bei ihrer harten Arbeit begleitet.

Nervös lauschen die Männer in die Dämmerung. Vom hoch aufragenden Wachturm aus überblicken sie zwar die Umgebung, doch die Gefahr lauert in den Weiten des Tsavo-East-Nationalparks. Ein kilometerlanger Elektrozaun sichert das neue Nashornschutzgehege. Auf allen Seiten sorgt eine breite Schneise dafür, dass sich keine Wilderer im Schutz von Bäumen oder Gestrüpp nähern können. Ein Hochsicherheitstrakt: 100 Quadratkilometer groß und rund um die Uhr bewacht von insgesamt fast 100 schwer bewaffneten Rangern.

Der Aufwand ist enorm, um Kenias letzte Nashörner zu retten. Für eine Reportage (Sonntag 6.1., 20.15 Uhr im SWR: "Die Retter der Nashörner") begleitete TV-Moderator und "Wetten, dass ..?"-Erfinder Frank Elstner Wildhüter und WWF-Naturschützer bei ihrer gefahrvollen Arbeit. "Wir haben viele Ranger, Soldaten, Helfer, Gleichgesinnte, die alle für den Schutz der Tiere da sind“, erzählt Elstner. "Trotzdem gibt es immer wieder Zwischenfälle, werden Zäune eingerissen, wird gewildert, werden, nur um ein Nashorn des Horns zu berauben, die schlimmsten Metzeleien veranstaltet."


ENGAGIERT: WWF-Experte Johannes Kirchgatter, Frank Elstner und Zoodirektor Matthias Reinschmidt (v.l.) helfen bei einer Nashornrettung. / Foto © SWR, Christiane Flechtner

Seit acht Jahren wagt Frank Elstner zusammen mit dem Karlsruher Zoodirektor Matthias Reinschmidt Expeditionen zu Artenschutzprojekten in aller Welt – und zeigt sich immer wieder geschockt: "Es ist ein echter Krieg, der da draußen tobt. Es sind nicht arme Bauern, die den Tieren nachstellen, längst sind es gut ausgerüstete Söldner, die Nachtsichtgeräte und angeblich sogar Hubschrauber haben." Die Nachfrage nach Horn ist ungebrochen. Vor allem in Asien, wo es als Aphrodisiakum und Wundermittel der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gilt. Auf dem Schwarzmarkt werden Kilopreise von 60.000 US-Dollar erzielt – mehr als für Gold oder Kokain. Ein gutes Geschäft für die Wildtiermafia. Entsprechend dramatisch ist die Situation. Im 11.000 Quadratkilometer großen Tsavo-East-Nationalpark lebten in den 1950er-Jahren fast 20.000 Nashörner. Heute sind es nur noch 15.

Auf dem Schwarzmarkt erzielt man für das Horn Kilopreise von 60.000 US-Dollar! Mehr als für Gold oder Kokain.

Für ganz Afrika schätzt die Naturschutzorganisation WWF den Bestand auf rund 25.000, davon 20.000 Breitmaulnashörner und lediglich 5000 Spitzmaulnashörner. Ranger sind in der Regel die letzte Instanz, um Wilderer zu stoppen und den Tieren eine Zukunft zu geben. In einigen Reservaten wie dem 188 Quadratkilometer großen Nakuru-Nationalpark gibt es zwar genügend Nashörner, aber zu wenig Platz. Im Tsavo East dagegen ist ausreichend Raum vorhanden.


VORBEREITUNGEN: Früh am Morgen startet ein Helikopter, um die Nashörner für die Umsiedlung zu orten. / Foto © SWR, Christiane Flechtner

"Tsavo ist ein riesiges Schutzgebiet", erklärt Johannes Kirchgatter, der Afrika-Experte des WWF. "Hier können wir eine tragfähige Population aufbauen, die so groß ist, dass sie auch Trockenheit oder Krankheiten übersteht, hier, wo wir wirklich hoffen, dass auch noch in 100 und 200 Jahren Nashörner leben können." Die kenianische Wildtierbehörde Kenyan Wildlife Service (KWS) führt deshalb Umsiedlungen durch, finanziell und fachlich unterstützt vom WWF. Mehr als 180 Nashörner wurden bereits in eine neue Heimat gebracht, in fast 90 Prozent der Fälle erfolgreich. Nach einigen tragischen Rückschlägen arbeiten Experten derzeit daran, solche Aktionen sicherer zu machen. "Umsiedlungen sind immer riskant, aber notwendig, um die Art dauerhaft zu erhalten", so Experte Kirchgatter.

Im Hochsicherheitstrakt von Tsavo East können die Dickhäuter besser verteidigt werden als auf der riesigen Fläche des Nationalparks selbst. In den unübersichtlichen Weiten haben die KWS-Ranger wenig Chancen gegen Wilderer. Oft mangelt es an Ausrüstung, Einsatzfahrzeugen, Funkgeräten. "Die Wilderer kommen meist nachts", erklärt Frank Elstner. "Sie sind immer besser ausgestattet. Und immer wieder gibt es Tote auf beiden Seiten."

Laut WWF gibt es in ganz Afrika nur noch 5000 Spitzmaulnashörner.

Laut der Internationalen Ranger Federation kamen im Jahr 2017 weltweit 107 Wildhüter ums Leben, seit 2009 waren es fast 900 Tote. Jeder siebte Ranger in Asien und Zentralafrika wurde bei seiner Tätigkeit schwer verletzt. Personalmangel verschlimmert die Lage. Oft muss ein zu großes Gebiet überwacht und gesichert werden. "Wildhüter stehen wortwörtlich an der Front des Naturschutzes und leisten unheimliche wichtige Arbeit", so Katharina Trump, Referentin für Wildartenkriminalität beim WWF Deutschland. "Sie sind es, die der weltweit organisierten Wildtiermafia entgegentreten. Umso bestürzender ist es, dass sie viel zu häufig unter schlechter Ausrüstung und den Folgen mangelnder Ausbildung leiden."


BEWAFFNET: Die Nashörner des Tsavo-Nationalparks werden von bestens ausgerüsteten Rangern rund um die Uhr bewacht. / Foto © WWF

Wilderer gehen extrem skrupellos vor, um Nashörner zu erlegen. Dabei geraten auch die Wildhüter ins Fadenkreuz. Am gefährlichsten ist die tägliche Patrouille, bei der die Ranger in unwegsamem Gelände weite Strecken zu Fuß zurücklegen. Nashörner sind schwer aufzuspüren, sogar in den Schutzgebieten. Ihr Lebensraum und der Umkreis, in dem sie sich bewegen, ist riesig. Wie soll man die Tiere in einem Gebiet schützen, das wie Tsavo East und Tsavo West so groß ist wie Nordrhein-Westfalen? Im Jahr 2017 traf eine Patrouille in diesem Nationalpark auf Wilderer, die Nashörner und Elefanten verfolgten. Beim anschließenden Schusswechsel gab es drei Opfer: Ein Ranger und zwei Wilderer starben.

Der Alltag fordert den Rangern alles ab, doch sie wissen, wie wichtig ihre Arbeit ist. Vor der Umsiedlung von Nashörnern nach Tsavo East kam es zu einem besonders berührenden Moment: „Die Ranger sprachen ein Gebet“, erinnert sich der Moderator und engagierte Tierschützer Frank Elstner. "In drei verschiedenen Religionen standen sie da und beteten zu ihrem Gott: Lass uns gesund bleiben bei dieser Aktion, und lass auch die Tiere gesund bleiben." So einen Moment vergisst man nie.   

Sendetermin:

SWR, 20.15 Uhr
Doku DIE RETTER DER NASHÖRNER
Mit Artenschützern in Ostafrika.
Aus der Reihe "Elstners Reisen"

Autor: Kai Riedemann

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