Gesund leben
Durchfall

Durchfall kann verschiedene Ursachen haben. / Foto © iStock, Voyagerix

Viren, Bakterien oder Stress?

Durchfall – Ursachen und Behandlung

  • Artikel vom 01. Februar 2018

Durchfall kann plötzlich und akut einsetzen oder chronisch quälen. Wichtig ist die Ursache. Denn je nachdem, ob Viren, Bakterien, Stress oder eine Nahrungsmittelunverträglichkeit Auslöser sind, ist die Behandlung unterschiedlich.

Durchfall ist gleich nach der Erkältung eine der häufigsten Erkrankungen – rund ein Drittel der Erwachsenen ist mindestens einmal pro Jahr betroffen. Bei Kindern tritt Durchfall, medizinisch Diarrhö, oft sogar alle paar Monate auf.

Doch wann spricht man eigentlich davon? Laut Definition, wenn der Stuhl mehr als dreimal pro Tag auftritt, dabei in größerer Menge, wässriger oder breiiger Form.

Durchfall wie Wasser

Besonders unangenehm ist es, wenn der Durchfall wie Wasser auftritt und der Stuhl oft nicht mehr gehalten werden kann. Die akute Form überrascht oft in den ungünstigsten Augenblicken, etwa unterwegs. Doch auch chronischer Durchfall ist für die Betroffenen problematisch.

Wann Durchfall gefährlich ist

Denn egal ob akut oder chronisch: Mit dem flüssigen Stuhl verliert der Körper viel Flüssigkeit und Vitalstoffe. Der Flüssigkeits- und Energiehaushalt leidet dadurch massiv. Es besteht die Gefahr einer Austrocknung (Dehydration) sowie Mineralstoffmangel (Elektrolyseverlust).

Vor allem bei schlecht ernährten Menschen, bei Babys, Kindern und Senioren kann es dadurch zu einem gefährlichen Kreislaufzusammenbruch kommen. Bei diesen Risikogruppen sollte Durchfall von einem Arzt abgeklärt werden. Besonders gefährdet sind dabei die Kleinsten. Denn sie können sehr rasch dehydrieren. Durchfall beim Baby sollte deshalb immer der Kinderarzt beurteilen.

Auf jeden Fall zum Arzt sollten Betroffene, wenn die Beschwerden sehr ausgeprägt sind oder länger als drei Tage anhalten. Kommen Bauchschmerzen, Fieber, Schwindel, starkes Erbrechen hinzu und/oder ist der Stuhl blutig, sind das immer Komplikationen und Alarmzeichen, die sofort ärztliche Hilfe erfordern.

Hilfe bei Durchfall

In der Regel klingt akuter, unkomplizierter Durchfall jedoch nach ein bis zwei Tagen wieder ab. Damit das möglichst gut funktioniert, sollten Sie viel trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, am besten Tee, dabei Kamillen-, Pfefferminz- oder für Erwachsene auch Schwarztee. Außerdem sind (kohlensäurearmes) Mineralwasser und Gemüsebrühe sinnvoll, weil sie nicht nur den Flüssigkeits-, sondern auch den Mineralverlust ausgleichen können.

Zudem gib es in der Apotheke fertige Mineralstoff-Traubenzucker-Lösungen zur Wiederherstellung eines ausgewogenen Elektrolythaushalts im Körper. Ein ähnliches Getränk können Sie auch selbst zubereiten. Das Rezept:

• Ein Viertelliter Mineralwasser
• zwei Teelöffel Traubenzucker
• 1 Prise Salz

Bei Durchfall richtig essen

Oft fehlt bei akutem Durchfall der Appetit. Dann ist es sinnvoll, der Verdauung Ruhe zur Regeneration zu gönnen, einen Tag zu fasten und nur viel trinken. Danach können Sie mit leichter, fettarmer Kost langsam wieder feste Nahrung zu sich nehmen. Ideal sind etwa

• geriebener Apfel,
• Zwieback,
• eine pürierte Banane,
• Haferschleim,
• Kartoffelbrei und
• Karottensuppe.

Die vor allem bei Kindern beliebten Hausmittel Cola und Salzstangen gegen Durchfall, sind jedoch weniger geeignet. Kohlensäure, Zucker und Lauge können den Darm nämlich zusätzlich reizen.

Medikamente gegen Durchfall

Daneben gibt es für Kinder und Erwachsene auch verschiedene Arzneimittel, die den überaktiven Darm beruhigen können. Das sind folgende Medikamente, die es rezeptfrei in der Apotheke gibt:

• medizinische Kohle
• Motilitätshemmer (Wirkstoff Loperamid)
• Pflanzliche Mittel mit Uzarawurzel
• Mittel mit Gerbstoffen wie Tanninalbuminat
• Medikamente mit Hefebakterien
• Milchsäure-Produkte gegen Durchfall

Allerdings eignen sie sich nicht zur Dauerbehandlung. Werden die Beschwerden mithilfe der Arzneien nicht nach zwei Tagen wesentlich schwächer, sollten Sie ebenfalls zum Arzt gehen.

Akuter Durchfall – das sind die Ursachen

Doch was ist schuld daran, dass der Darm plötzlich durchdreht? Wenn Durchfall akut auftritt, sind meist Viren wie Norovirus oder Rotavirus die Auslöser. Vor allem die Zahl der Infektionen mit dem hoch ansteckenden Norovirus haben sich erhöht, wie .

Grund dafür ist, dass sich die Viren, ähnlich der Grippeviren, immer wieder verändern und aktuell eine neue Form grassiert. Sie tarnt sich besonders gut vor dem Immunsystem und deshalb erkranken mehr Menschen als in den Jahren davor.

Neben diesen Viren sind auch einige Bakterien oft Verursacher einer Magen-Darm-Grippe mit Durchfall. Die Erreger können sich über die Luft ausbreiten, aber auch Lebensmittel kontaminieren:

• Erkältungsviren wie die Enteroviren – sie können nicht nur die oberen Schleimhäute angreifen, sondern auch die im Darm
• Salmonellen
• Clostridien
• Listerien
• Colibakterien – sie sind die häufigste Ursache bei Reisedurchfall

Auch Medikamente (etwa Antibiotika) und nicht zuletzt psychische Faktoren können die Beschwerden auslösen. Viele kennen etwa den plötzlich einsetzenden Durchfall kurz vor einer Prüfung.

Chronischer Durchfall nicht nur bei Lebensmittelunverträglichkeiten

Daneben kann vor allem chronischer Durchfall auch ein wichtiges Symptom für verschiedene Krankheiten sein, etwa Lebensmittelunverträglichkeiten wie

• Laktoseintoleranz (wenn Milchzucker nicht vertragen wird)
• Fruktoseintoleranz (Fruchtzucker ist das Problem)
• Zöliakie (Gluten, das Klebereiweiß im Getreide, entzündet den Darm)

Doch auch Krankheiten wie der Reizdarm, organische Veränderungen (zum Beispiel Divertikel), chronisch entzündliche Darmerkrankungen (beispielsweise Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa) sowie nicht zuletzt ein Tumor kommen dabei infrage. Mit verschiedenen Bluttests, Ultraschall und letztlich auch einer Darmspiegelung kann der Arzt diese Krankheiten feststellen und die entsprechende Behandlung einleiten.

Durchfall in der Schwangerschaft – ein Sonderfall

Auch Frauen, die ein Kind erwarten, sind häufig von Durchfall geplagt. Hormone spielen dabei übrigens weniger eine Rolle. Im Gegenteil – die Schwangerschaftshormone bewirken eher eine leichte Verstopfung.

Doch es gibt andere Faktoren, die zum Tragen kommen. So reagieren etwa die gesamten Verdauungsorgane bei Schwangeren etwas sensibler, damit das Kind wirklich gut vor Krankheitskeimen geschützt ist. Außerdem ernähren sich viele Frauen in der Schwangerschaft gesünder, was mehr Obst und Gemüse bedeutet. Diese Lebensmittel regen die Darmtätigkeit an. Drückt dann im Verlauf der Schwangerschaft die wachsende Gebärmutter auf den Darm, kann das ebenfalls zu Problemen führen – Verstopfung oder eben Durchfall. Nicht zuletzt kündigt plötzlich einsetzender Durchfall am Ende einer Schwangerschaft das Einsetzen der Geburt an.

Durchfall ist also fast so alltäglich wie Erkältung. Auf die leichte Schulter nehmen sollte man die Verdauungsbeschwerden jedoch trotzdem nicht. Gönnen Sie Ihrem Körper ein paar Tage Ruhe, versorgen Sie ihn mit viel Flüssigkeit und leichter Kost. Lassen Sie die Beschwerden außerdem ärztlich abklären, sollten sie häufiger auftreten oder besonders ausgeprägt sein. Zwar steckt nur in den seltensten Fällen eine ernsthafte Erkrankung dahinter. Doch der Flüssigkeits- und Elektrolyteverlust auch bei „normalem“ Durchfall kann den Körper gefährlich schwächen und sogar zu einem Kreislaufversagen führen.

Quellen: Informationen des Robert Koch Instituts, Leitlinien Diarrhoe der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), AWMF online

Autor: Monika Preuk

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