Gesund leben
Hallux

Jede dritte Frau ist betroffen. / Foto © iStock, bgwalker

Ballenzeh

Hallux valgus – Fußgymnastik, Schiene oder Operation?

  • Artikel vom 30. August 2017

Hallux valgus: Vor allem Frauen haben dieses Fußproblem, mindestens ein Drittel ist davon betroffen. Welche Behandlungen sinnvoll sind und wann eine Operation unumgänglich ist.

Der große Zeh krümmt sich und knickt nach innen, das Zehengrundgelenk (Metatarsophalangealgelenk) tritt wie eine deutliche Beule hervor. Oft entzündet es sich und jeder Schuh drückt dann an dieser Stelle – wodurch die Entzündung stärker wird und der Ballen noch dicker. Der Arzt bezeichnet diese häufige Fußfehlstellung als Hallux valgus (hallux = große Zehe, valgus = schief).

Warum vor allem Frauen von Hallux valgus betroffen sind

Umgangssprachlich wird der schiefe große Zeh mit dem dicken, nach außen stehenden Gelenk häufig als Hallux oder Ballenzeh bezeichnet. Die Ursache dafür sind Bindegewebsschwäche sowie hohe und spitz zulaufende Schuhe. Deshalb sind vor allem Frauen gefährdet, das Fußproblem zu entwickeln. Denn sie verfügen von Natur aus über ein schwächeres Bindegewebe als Männer – und viele tragen gerne High Heels und schmale (enge) Schuhe.
Bei hohen Absätze lastet das gesamte Gewicht auf dem Vorderfuß, der dadurch breiter wird. In engen Schuhen kann er das nicht, vor allem der große Zeh wird stark nach innen und das Zehengrundgelenk dadurch nach außen gedrückt – ein Hallux valgus entsteht.

Weitere Risikofaktoren für den Hallux

• Fußfehlstellungen wie Spreizfuß oder Knickfuß
• Bindegewebsschwäche, wodurch die Bänder das Fußgewölbe nicht gut genug abstützen
• Familiäre Veranlagung
• Gelenkentzündungen (Arthritis)
• Gelenkverschleiß (Arthrose)

Ist Arthrose, also Gelenkverschleiß, die Ursache für die Beschwerden, spricht der Arzt von einem Hallux rigidus. Oft ist es auch eine Kombinationen aus mehrere Faktoren. So zum Beispiel wenn zu einer genetischen Vorbelastung die Vorliebe für High Heels hinzukommt.

Hallux valgus – kosmetisches oder medizinisches Problem?

Vor allem anfangs ist der vortretende Ballen nur ein ästhetisches Problem, das optisch stört, wenn Sie offene Schuhe tragen oder barfuß laufen. In diesem Stadium tut der Hallux valgus meist noch nicht weh. Erst, wenn sich die Ballenbildung verstärkt (fortschreitender Prozess, progredienter Verlauf), der Zeh sich immer weiter nach innen neigt und das Zehengrundgelenk sich immer deutlicher außen abzeichnet, kommt es zu Schmerzen und medizinische Hilfe ist nötig.

Weitere Symptome

• Das Zehengrundgelenk rötet sich, schwillt an und kann sich entzünden
• Die mittleren Zehen werden durch die Fehlstellung bedrängt und schmerzen, sie können sich verformen, etwa zu Hammerzehen.
• Starke Hornhaut, Schwielen und Hühneraugen bilden sich durch die verschobene Belastung der empfindlichen Haut an den Füßen.

Hallux valgus behandeln

Es gibt verschiedene Therapien bei Hallux valgus: konservative Maßnahmen, also ohne Eingriff, und verschiedene Operationstechniken. Als Richtlinie gilt: So lange der Ballen nicht schmerzt und Sie den großen Zeh noch problemlos bewegen können, sind konservative Maßnahmen meist ausreichend.
Allerdings schreitet die Verformung häufig voran. Das Zehengrundgelenk versteift, es entstehen Probleme beim Gehen und der Vorderfuß lässt sich nicht mehr richtig abknicken. In diesem Stadium kann nur noch die Operation helfen, um wieder mobil und schmerzfrei zu werden.

Schiene, Bandagen, Schaumstoffpflaster und Fußgymnastik gegen Hallux

Wenn Sie die ersten Anzeichen an ihrem großen Zeh bemerken, sollten Sie zum Orthopäden gehen. Er wird Ihnen die verschiedenen konservativen Maßnahmen erklären, die das Fortschreiten eines Hallux valgus verhindern oder zumindest abbremsen können.

Dazu gehören:
• Fußgymnastik – starke Fußmuskeln können verhindern, dass der große Zeh „aus der Reihe tanzt“. Die einfachste Übung dafür: Alle Zehen spreizen, auch den großen, und mit ihnen wackeln. Anfangs mag das gar nicht so einfach sein, doch mit der Zeit werden die Zehen beweglicher.
• Auch mit der Faszienrolle lassen sie die Fußmuskeln entspannen sowie trainieren. Weitere Übungen erklärt der Physiotherapeut.
• Einlagen – falls eine Fußfehlstellung wie Spreizfuß oder Knickfuß vorliegt, korrigieren die medizinischen Einlagen das und entlasten den Vorfuß.
• Bandagen, Nachtschienen, Schaumstoffpolster, Zehenspreizer – alle diese mechanischen Hilfsmittel haben das Ziel, den Schiefstand zu korrigieren. Sie wirken allerdings natürlich nur, so lange sie getragen werden. Also: konsequent bleiben!

Operation bei Hallux valgus – mindestens sechs Wochen Zeit nehmen

Lässt sich der große Zeh nicht mehr bewegen und/oder sind die Schmerzen groß, rät der Orthopäde zu einer Operation. Dabei stehen je nach Ausprägung und den individuellen gesundheitlichen Gegebenheiten des Betroffenen, etwa ob zusätzlich Arthritis vorliegt, viele verschiedene Techniken zur Verfügung. Fußchirurgen nennen dabei mehr als 100 verschiedene Verfahren. Alle haben folgende Ziele:
• Knochenumstellung
• Korrektur der Gelenkkapsel (Weichteilkorrektur)
• Das Zusammenspiel von Muskeln und Sehnen ins natürliche Gleichgewicht bringen

Operation oft minimal invasiv

Je nach Aufwand kann die Operation ambulant oder stationär durchgeführt werden. Manchmal reicht eine milde Korrektur im vorderen Bereich des Zehs. Ist die Ballenbildung massiv, muss der Mittelfußknochen korrigiert werden, sowie Sehnen, Muskeln und Schleimbeutel. Dabei setzt der Chirurg Drähte, Schräubchen und Metallimplantate ein, die später oft nicht mehr entfernt werden müssen. Die meisten Operationsmethoden werden inzwischen minimal invasiv durchgeführt, was nur drei bis fünf kleine Schnitte nötig macht.

Allerdings muss der Patient bis zu acht Wochen nach dem Eingriff einen Verbandschuh tragen. Er verhindert, dass der korrigierte Knochen bricht und sich die Fehlstellung neu bildet. Bis zu einem halben Jahr sollte kein Sport getrieben werden. Denn die Hallux-Operation ist sehr komplex und alles andere als ein kleiner Eingriff.

Auch wenn die Operation erfolgreich ist, kann sich nach einigen Jahren erneut ein Hallux valgus bilden. Das ist vor allem dann der Fall, wenn Sie wieder öfter spitze oder hohe Schuhe tragen.

Hallux valgus vorbeugen – die 5 besten Tippe gegen den Ballenzeh

Die besten Präventionsmaßnahmen gegen die problematische Fußfehlstellung sind:
• Tragen Sie bequeme Schuhe, die Ihre Füße nicht einengen, aber ausreichend Halt geben.
• Stöckelschuhe sind zwar nicht völlig tabu, sollten aber nur kurzzeitig getragen werden – und niemals dann, wenn Sie länger laufen müssen, etwa beim Shoppen. Nachdem Sie High-Heels getragen haben, sollten Sie unbedingt Fußgymnastik durchführen, mit den Zehen wackeln und sie spreizen.
• Laufen Sie so oft wie möglich barfuß.
• Falls Sie Einlagen brauchen: Benutzen Sie diese verlässlich und täglich.
• Machen Sie regelmäßig Fußgymnastik, nutzen Sie dazu etwa die Zeit vor dem Fernseher. Neben Zehen spreizen ist etwa ein Taschentuch mit nackten Füßen aufheben eine sinnvolle Übung, die Ihre Fußmuskeln stärkt.

Quellen: Leitlinien für Orthopäden, orthopädische Chirurgen und Unfallchirurgen zur Behandlung des Hallux valgus; Gesellschaft für Fußchirurgie: ; Gesellschaft für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie

Autor: Monika Preuk