Gesund leben
Heuschnupfen Behandlung

Fast jeder vierte Deutsche hat Heuschnupfen. / Foto © iStock, bluecinema

Allergisch gegen Pollen

Heuschnupfen – die besten Medikamente und neue Therapien

  • Artikel vom 05. Mai 2017

Die Heuschnupfensaison wird länger und immer mehr Menschen reagieren allergisch auf die Pollen. Das Wichtigste über Heuschnupfenmittel und Behandlungen.

Schon ab Ende Dezember können die ersten Pollen (Hasel, Erle) fliegen – und die letzten (Gräser, Brennessel) sind bis in den November unterwegs. Wer Heuschnupfen hat, kann deshalb fast das ganze Jahr über belastet sein. Ursache für die verlängerten Blühzeiten von Bäumen, Gräsern, & Co. und damit der langen Heuschnupfensaison ist der Klimawandel, wie unter anderem Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München feststellten.

Immer mehr Menschen sind betroffen

Die Pollen fliegen nicht nur viele Wochen länger, manche haben sich auch verändert und lösen schneller und häufiger Heuschnupfen aus als früher. Umweltschadstoffe erhöhen nämlich die so genannte Allergenität der Pollen. Zusätzlich bilden manche Pflanzenarten mehr Pollen, wenn der CO2-Anteil der Luft steigt. Luftverschmutzung ist damit einer der Gründe für die wachsende Zahl der von Heuschnupfen Betroffenen.

Auch die Tatsache, dass Kinder immer weniger draußen spielen, in hygienisch reinem Umfeld aufwachsen und dadurch kaum mit Keimen in Kontakt kommen, spielt eine Rolle. Das Immunsystem wird dadurch unterfordert und auf der Suche nach möglichen "Feinden", an denen es seine Kräfte messen kann, überbewertet es eigentlich harmlose Stoffe wie Pollen.

Neben Umweltschadstoffen und Keimfreiheit gibt es vermutlich auch genetische Faktoren, die zum Tragen kommen. Auch Stress, Zigarettenrauch und
Ernährung mit viel tierischen Fetten und genmanipuliertem Obst und Gemüse stehen im Verdacht, die Allergiebereitschaft deutlich zu erhöhen, wie der
Berufsverband der Pneumologen warnt.

Das passiert bei Heuschnupfen

Mindestens zwölf Millionen Menschen in Deutschland sind derzeit Pollenallergiker, Tendenz steigend. Bei Kindern sind es im Durchschnitt bereits zehn Prozent, unter den Erwachsenen jeder vierte bis fünfte. Sie reagieren mit einer Allergie auf Blütenpollen, genauer gesagt auf deren Eiweißstoffe. Beim Eintritt der Pollen über die Schleimhäute der Augen, Nase, Mund und Bronchien stuft das Immunsystem die Pollen nicht als harmlos ein, wie es das bei Gesunden tut, sondern als Krankheitserreger – und wehrt sich.

Besonders stark allergisierend wirken dabei die Pollen von Frühblühern wie Erle, Haselnuss, Birke, von Gräsern und von Spätblühern wie Roggen, Sauerampfer, Spitzwegerich, Beifuß, Ambrosia

Die Heuschnupfen-Symptome

Gelangen die Pollen auf die Schleimhäute, setzt eine Kettenreaktion ein. Das Immunsystem bildet Antikörper, um die vermeintlichen Schädlinge zu bekämpfen. Dabei wird wiederum Histamin freigesetzt, was zu den typischen Symptomen von Heuschnupfen führt:

• Niesen
• Juckreiz in Nase, Augen und Rachen
• Fließschnupfen
• rote Augen
• Hustenreiz
• Hautausschlag
• Atemnot

Heuschnupfen ist eine Allergie vom Soforttyp

Heuschnupfen, medizinisch Pollinosis, setzt meist plötzlich ein. Es handelt sich nämlich um eine Allergie vom Typ I, dem so genannten Soforttyp. Andere Allergieformen wie etwa der Spättyp, zu der die Kontaktallergie gehört, äußern sich oft erst Tage nach der Exposition mit dem Allergen.

Hatte das Immunsystem bereits einmal Kontakt mit den Pollen und die entsprechenden Antikörper gebildet, wird es beim nächsten Mal bereits Minuten nach der Konfrontation mit Histamin-Ausschüttung reagieren. Niesen, Fließschnupfen und Juckreiz sind die Folge. Um diese Reaktion auszulösen, reichen übrigens bereits fünf oder sechs Pollen. Zum Vergleich: Im Frühling und Sommer schwirren oft 4.000 Pollen pro Kubikmeter durch die Luft.

Mögliche Folgen: Kreuzallergien und Asthma

Heuschnupfen kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Sind die Symptome eher milde, gehen viele gar nicht zum Arzt und behandeln sich selbst mit Anti-Heuschnupfenmitteln oder warten einfach ab. Denn meistens besteht eine Allergie nur auf die Pollen von einigen Pflanzen, etwa den Frühblühern Hasel und Erle. In diesem Fall ist etwa ab Mai der Heuschnupfen vorüber.

Trotzdem sollte jeder Symptome, die auf Heuschnupfen hindeuten, von einem Arzt abklären lassen und seine Beschwerden nicht verharmlosen. Werden auch leichte Formen nicht behandelt, besteht nämlich die Möglichkeit, dass sich zusätzliche eine pollenassoziierte Lebensmittelallergie entwickelt. Rund 60 Prozent der Pollen-Allergiker bekommen diese Kreuzallergie, betont der Deutsche Allergie- und Asthmabund. Denn bestimmte Obst- und Gemüsesorten haben ähnliche Eiweißsstrukturen wie Pollen. So ist etwa die Allergie auf Frühblüher oft mit einer Allergie auf Nüsse, Äpfel, Birnen und Pfirsiche verbunden.

Außerdem kann Heuschnupfen, der über Jahre besteht und nicht richtig behandelt wird, zu allergischem Asthma führen. Die Erklärung dafür ist einfach: Wer häufig Heuschnupfen hat, muss über den Mund einatmen, weil die Nase zu ist. Dabei gelangen die allergieauslösenden Pollen ungefiltert in Bronchien und Lunge. Die Schleimhäute in diesen Bereichen reagieren mit Allergie und Entzündung, Asthma entsteht.

Diesen Etagenwechsel der Allergie erleidet rund jeder zweite Heuschnupfenpatient, wenn keine gezielte Therapie eingeleitet wird.

Behandlung bei Heuschnupfen

Ansprechpartner bei Verdacht auf Heuschnupfen ist zuerst der Hausarzt, der dann zum Allergologen, HNO-Arzt oder Lungenarzt überweisen wird. Mit verschiedenen Haut- und Bluttests kann der Facharzt feststellen, ob eine Allergie vorliegt und was die Auslöser sind. Danach wird ein Behandlungsplan festgelegt. Dieser besteht aus:

• Allergen vermeiden
• Medikamente zur Behandlung der akuten Beschwerden
• Hyposensibilisierung, um langfristig beschwerdefrei zu werden

Das absolute Vermeiden von Allergenen ist in der Praxis oft nicht möglich. Eine Option wäre etwa, während der Blütezeit einen Urlaub am Meer oder im Hochgebirge zu verbringen, weil dort fast keine Pollen fliegen.

Medikamente bei Heuschnupfen

Am häufigsten kommen gegen Heuschnupfen Antihistaminika zum Einsatz. Sie blockieren die Histaminrezeptoren auf den Zellen und bremsen damit die allergische Reaktion. Anders als Antihistaminika der ersten Generation machen neuere Produkte nicht mehr müde. Sie arbeiten mit den Wirkstoffen Loratidin, Dimetinden und Cetirizin und sind als Tabletten, Spray und Tropfen rezeptfrei erhältlich. Daneben gibt es auch verschreibungspflichtige Antihistaminika, sie enthalten die Wirkstoffe Levocetirizin und Desloratadin.

Bei sehr ausgeprägten Beschwerden verordnet der Arzt Kortison

Diese Medikamente wirken sofort und helfen über die akute Phase des Heuschnupfens hinweg.

Allerdings gibt es auch Wirkstoffe, die einer Pollenallergie vorbeugen. Dazu gehört etwa Cromoglicinsäure. Sie entfaltet ihre Wirkung erst nach knapp einer Woche, sollte also bereits einige Tage vor dem erwarteten Beginn mit dem Pollenkontakt angewendet werden und dann so lange, wie die Pollen fliegen.Cromoglicinsäure wirkt lokal an den Schleimhäuten, ist in Form von Augentropfen, Nasenspray und Inhaltationslösung rezeptfrei erhältlich.

Mit Hyposensibilisierung Heuschnupfen langfristig loswerden

Ist die akute Phase des Heuschnupfens vorüber, raten Ärzte meist zu einer Hypo- oder Desensibilisierung (spezifische Immuntherapie). Mit dieser Behandlung lernt das Immunsystem, langsam wieder normal auf die Pollen zu reagieren. Dabei wird es anfangs mit einer sehr geringen Konzentration des allergieauslösenden Polleneiweißes konfrontiert. Nach und nach wird diese Menge erhöht, bis sie normale Werte erreicht hat und das Immunsystem unempfindlich auf das Allergen geworden ist

Hyposensibilisierung erfolgt als Injektion (so genannte Heuschnupfen-Impfung), der subkutanen Immuntherapie. Dabei bekommt der Patient monatlich eine Spritze, die Behandlung dauert drei Jahre.

Eine Weiterentwicklung der spezifischen Immuntherapie ist die sublinguale Immuntherapie, die der Patient nach Anweisung des Arztes selbst durchführt. Dabei werden die Wirkstoffe als Tropfen oder Tablette unter die Zunge gegeben.

Hyposensibilisierung ist besonders erfolgversprechend. 80 Prozent der Pollenallergiker werden damit beschwerdefrei.

Homöopathie gegen Heuschnupfen

Auch die Homöopathie bietet Komplexmittel und Einzelpräparate, die Heuschnupfen vorbeugen oder die Beschwerden bei Pollenallergie lindern sollen (auch wenn diese Methoden von der Schulmedizin nicht anerkannt sind). Beliebt sind dabei etwa Sinapis nigra (schwarzer Senf), Arundo mauritanica (Pfahlrohr), Allium cepa (Küchenzwiebel), Euphrasia (Augentrost) und Nux vomica (Brechnuss).

Neue Therapie gegen Heuschnupfen

Zwar kann Heuschnupfen heute meist gut behandelt werden, doch die Therapien sind oft aufwändig – und helfen leider nicht allen Patienten. Deshalb wird weiter an neuen Behandlungen geforscht. So soll etwa ein neu entwickeltes Heuschnupfen-Pflaster Allergiker, die auf Gräserpollen reagieren, bis zu 70 Prozent Linderung verschaffen. Die Behandlung dauert nur zwei Monate und ist damit wesentlich kürzer als andere Hyposensibilisierungs-Maßnahmen.

Die Studie wurde mit mehr als 100 Patienten an der Universitätsklinik Zürich durchgeführt.

Quellen: Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, Deutscher Allergie- und Asthmabund, Berufsverband der Lungenärzte

Autor: Monika Preuk