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Masern / Foto © iStock, monkeybusinessimages

So sehen Masern aus: Der Ausschlag kann den ganzen Körper überziehen. / Foto © iStock, monkeybusinessimages

Masern-Symptome erkennen

Masern – Zu viele Menschen sind nicht geimpft

  • Artikel vom 21. März 2017

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit. Auch Erwachsene können sich anstecken und im Extremfall eine lebensgefährliche Hirnhautentzündung entwickeln. Und doch ist Deutschland in Sachen Masern-Impfung europaweit Schlusslicht.

Schule geschlossen wegen Masern – so kürzlich die Meldung aus Frankfurt. Es folgte Leipzig mit einem starken Ausbruch. Vor allem in Ballungsräumen (Dresden, Hamburg, Köln, München und Berlin), warnt das Robert Koch Institut, sind viele Kinder nicht (oder nicht vollständig) gegen die Viruserkrankung geimpft. Im Jahrgang 2013 betrifft das deutschlandweit beispielsweise knapp 200.000 Kinder. Experten befürchten, dass es deshalb zu einem massiven Anstieg der Masernfälle kommen könnte, der die 2.500 Patienten im Jahr 2015 noch übertrifft.

Masern – so gefährlich ist die Kinderkrankheit für Erwachsene

Dabei sind die Masern, medizinisch Morbilli, keineswegs harmlos. Die Virenerkrankung kann nicht nur bei Kindern auftreten. Mehr als die Hälfte der Masernfälle betrifft Jugendliche über zehn Jahre und Erwachsene. Gefährlich sind die Masern deshalb, weil sie bei jedem zehnten Erkrankten Komplikationen mit sich bringen. Dieses Risiko betrifft vor allem Erwachsene und Kinder unter fünf Jahren. Komplikationen können sein:

• Durchfall
• Mittelohrentzündung
• Bronchitis
• Lungenentzündung
• Kehlkopfentzündung
• Krupp-Syndrom

Besonders gefürchtet ist die Gehirnentzündung, Enzephalitis, die bei etwa jedem tausendsten Masernkranken rund eine Woche nach Beginn der Infektion auftritt. Sogar noch sechs bis acht Jahre nach einer überstandenen Masernerkrankung kann es zu einer zwar seltenen, aber tödlichen Enzephalitis kommen, der so genannten subakuten sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE).

Zu 100 Prozent ansteckend, schon vor dem Ausschlag

Ursache der Masern ist das Masernvirus (Briarcus morbillorum). Es wird über Tröpfcheninfektion weitergegeben, also über die Luft beim Sprechen und Niesen, und gelangt so in die Schleimhäute der Atemwegsorgane und der Augen. Masernviren sind extrem ansteckend, weil sie mit der Atemluft mehrere Meter weit fliegen. Wer mit einem Masernpatienten Kontakt hat, kann daher sicher sein, dass er sich ansteckt – falls er nicht geimpft ist oder selbst schon einmal ans Masern erkrankt war.

Bereits bevor die ersten Symptome auftauchen, also noch während der Ansteckungszeit (Inkubationszeit), die bei Masern acht bis zehn Tage beträgt, kann der Infizierte die Viren weitergeben. Das Ansteckungsrisiko besteht vor allem ab dem fünften Tag vor Auftreten des Ausschlags bis etwa fünf Tage danach. Übrigens sind Neugeborene bis zu einem halben Jahr gegen Masern immun, wenn die Mutter gegen Masern geimpft ist oder schon die Masern hatte (Nestschutz).

Symptome vor dem typischen Masern-Ausschlag

Die Viren gelangen über die oberen Schleimhäute in den Körper und befallen Zellen des Immun- und Nervensystems. Anfangs kommt es zu grippeähnlichen Anzeichen wie Fieber, Halsschmerzen, Kopfschmerzen, Reizhusten und Schnupfen.

Am zweiten bis dritten Tag nach Beginn der Erkrankung treten im Mund an der inneren Backenschleimhaut kleine weiße, kalkspritzerartige Flecken auf, die Koplik‘schen Flecken. Sie bilden sich durch eine spezielle Immunreaktion der kleinsten Blutgefäße in der Haut.

Wie sieht der typische Ausschlag bei Masern aus?

Nach vier bis fünf Tagen tritt der Hautausschlag auf (Exanthemstadium) und das Fieber steigt oft bis über 40 Grad. Der Ausschlag beginnt hinter den Ohren, breitet sich im Gesicht aus und kann dann den ganzen Körper bis zu den Füßen überziehen. Die anfangs kleinen, etwas erhabenen Flecken können miteinander verschmelzen. Nur Handinnenflächen und Fußsohlen bleiben von den Pusteln verschont.

Das Exanthemstadium dauert etwa eine Woche, dann klingen Ausschlag und Fieber wieder ab. Nach einer weiteren Woche beginnt sich die Haut leicht zu schuppen, was ein Zeichen für die überstandene Erkrankung ist. Weil die Masern den gesamten Organismus stark belasten, ist es sinnvoll, sich danach noch mindestens eine Woche zu schonen.

Masern – Diagnose und Behandlung

Meist erkennt der Arzt schon mit einem Blick auf den Ausschlag, dass es sich um Masern handelt. Um im Zweifelsfall Röteln oder Scharlach auszuschließen, die mit ähnlichen Hautveränderungen einhergehen, kann er eine Blutuntersuchung durchführen.

Die Therapie bei Masern ist einfach: Bettruhe, viel trinken und falls das Fieber sehr hoch steigt, fiebersenkende Mittel einnehmen. Es können auch Hausmittel wie Wadenwickel versucht werden.

Ein spezielles Medikament, das gegen Masernviren wirkt, gibt es nicht. Antibiotika helfen nicht, weil sie ausschließlich Bakterien bekämpfen, keine Viren. Sie werden daher nur dann eingesetzt, wenn zusätzlich zu den Masern noch eine bakterielle Infektion kommt, etwa eine Bronchitis, Mittelohrentzündung oder Lungenentzündung.

So schützt die Impfung vor der Infektionskrankheit

Der einzige sichere Schutz vor Masern ist die Impfung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt dabei die sogenannte MMR-Kombinationsimpfung, die neben Masern auch gegen Mumps und Röteln immun macht. Dabei wird der Impfschutz in zwei Schritten erreicht:
Die erste Impfung erfolgt im Alter von elf bis 14 Monaten, die zweite mindestens einen Monat später und bis zum Ende des zweiten Lebensjahres. Kinder und Jugendliche, die noch nicht geimpft wurden, sollten das möglichst rasch mit zwei Impfungen im entsprechenden zeitlichen Abstand nachholen.

Doch wie sieht es mit ungeimpften Erwachsenen aus? Die Impfexperten der STIKO gehen davon aus, dass Erwachsene, die vor 1970 geboren wurden, bereits als Kind die Masern hatten und entsprechend immun sind. Wer in den 80er Jahren zur Welt gekommen ist, ist meist bereits gegen die Masern geimpft. Ist bei Erwachsenen nicht klar, ob man überhaupt oder eventuell nur einmal geimpft wurde, empfiehlt das Robert-Koch-Institut eine einmalige Impfung vorzugsweise mit dem MMR-Impfstoff.

Masern trotz Impfung

Gegegentlich ist zu hören, dass jemand trotz Impfung Masern bekommen hat. Vor allem Impfgegnern weisen gerne darauf hin. Tatsache ist: Nur wer beide Impfungen durchführen ließ, ist bis zu 95 Prozent vor Masern geschützt. Das bedeutet, etwa fünf von 100 Menschen können trotz zweimaliger Impfung an Masern erkranken, wenn sie mit den Viren in Kontakt kommen. Im Vergleich zum fast 100prozentigen Ansteckungsrisiko für Ungeimpfte ist das keine Grundlage für ein Ablehnen der Impfung.

Nebenwirkungen und Impf-Masern

Die Masernimpfung – als MMR-Impfung oder Einzelimpfung – ist gut verträglich. Selten wird die Einstichstelle rot, schwillt an oder schmerzt. In den ersten drei Tagen ist es möglich, dass Sie sich etwas matt fühlen, Kopfschmerzen haben oder Magen-Darm-Beschwerden. Das verschwindet jedoch rasch wieder und zeigt nur, dass Ihr Abwehrsystem stark auf das Serum reagiert, also viele Antikörper gegen die Masernviren bildet.

In wenigen Fällen können außerdem etwa ein bis vier Wochen nach der Impfung sogenannte Impf-Masern auftreten. Dabei handelt es sich um einen schwachen, masernähnlichen Hautausschlag, der nach einigen Tagen wieder verschwindet. Impf-Masern sind nicht ansteckend.

Quellen: Robert Koch Institut, WHO Europa, Berufsverband der Kinderärzte,

Autor: Monika Preuk

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