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Schluckauf

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Singultus

Schluckauf – was wirklich hilft, die besten Tipps gegen Hicksen

  • Artikel vom 01. März 2018

Schluckauf (Singultus) ist meist harmlos, weshalb es auch einfache Hausmittel gegen das Hicksen gibt. Manchmal kann es auch Anzeichen für eine andere Krankheit sein.

Jeder hat mal Schluckauf, lateinisch Singultus. Das Wort bedeutet schluchzen oder röcheln und beschreibt damit recht gut den Laut, der beim Schluckauf entsteht. Dabei ist der Schluckauf eigentlich ganz normal.

Warum vor allem Babys Schluckauf haben

Was viele nicht wissen: Bereits Ungeborene hicksen, wie Ultraschallaufnahmen zeigen. Grund ist vermutlich, dass sie Fruchtwasser geschluckt haben. Doch das Hicksen soll nicht nur Fruchtwasser wieder hinausbefördern, sondern auch den Atemreflex trainieren, damit nach der Geburt die Atmung richtig einsetzt. Deshalb hat der Schluckauf durchaus seinen Sinn, sagen Wissenschaftler.

Auch nach der Geburt tritt Schluckauf bei Babys sehr häufig auf, etwa beim Saugen. Das Hicksen soll dafür sorgen, dass Luft aus dem Magen entweicht, die beim gierigen Saugen geschluckt wurde und den Magen füllt.

Schluckauf – so entsteht der Hicks

Doch wie entsteht Schluckauf? Ausgelöst wird er, wenn das Zwerchfell aus seinem Takt gerät. Das Zwerchfell, eine Muskel- und Sehnenplatte, die zwischen Bauch- und Brusthöhle liegt, zieht sich beim Einatmen zusammen. Beim Ausatmen entspannt es sich. Wenn es sich verkrampft und unwillkürlich zusammenzieht, schließt sich reflexartig im Kehlkopf die Stimmritze und es entsteht das „Hicks“.

Wie jeder Muskel wird auch die Zwerchfellaktivität von Nerven gesteuert, hier vom Nervus phrenicus und dem vegetativen Nervensystem, das sich willentlich nicht steuern lässt. Je nachdem, wie stark der Zwerchfellkrampf ist, kann sekündlich ein Hicksen plagen.

Meist ist akuter Schluckauf nach wenigen Minuten wieder abgeklungen, manchmal hält er jedoch an. Dauert das über 48 Stunden, spricht der Arzt von chronischem Schluckauf.

Die häufigsten Ursachen vom akutem Schluckauf

Schuld an dem kurzfristigen Krampf im Zwerchfell ist meistens hastiges Essen oder trinken, wobei Luft geschluckt wird. Weitere Reizauslöser können sein:

Rascher Wechsel von Kälte zu Wärme und umgekehrt, wie etwa wenn man im Winter in einen warmen Raum kommt. Aber auch, wer rasch hintereinander heiße und kalte Getränke/Speisen zu sich nimmt, riskiert einen Schluckauf.

• Hoher Alkoholkonsum

• Viel Rauchen

• Plötzlicher Schreck

• Stress

Chronischer Schluckauf – Medikamente und Krankheit als Ursachen

Quält der Schluckauf über Tage hinweg oder tritt er immer wieder auf, handelt es sich manchmal auch um die Nebenwirkungen eines Arzneimittels, etwa Parkinsonmedikamente. Das sind vor allem Dopamin-Arzneimittel. Doch auch bei hochdosierten Kortison-Gaben kann Schluckauf entstehen.

Vor allem kommen jedoch verschiedene, oft auch ernsthafte Krankheiten als Ursache für chronischen Schluckauf in Frage. Dabei ist das Hicksen oft nur eines von weiteren Symptomen. Die häufigsten Krankheiten, die mit einem chronischen Schluckauf einhergehen können:

• Sodbrennen (Refluxkrankheit)

• Kehlkopfentzündung

• Speiseröhrenentzündung

• Magenschleimhautentzündung (Gastritis)

• Leberentzündung

• Gallenprobleme, wie etwa ein Gallenstein

• Nierenstörungen

• Schilddrüsenüberfunktion

Auch Diabetiker sind häufig von Schluckauf geplagt. Ursache ist hier, dass vor allem bei lang bestehendem Diabetes, der sich nur schlecht einstellen lässt, die Nerven geschädigt werden. Der Nervus phrenicus kann in diesem Zusammenhang gereizt sein.

Wenn Schluckauf einfach nicht aufhört, sollten Sie ihn deshalb vom Arzt abklären lassen.

Schluckauf als Lebensretter

Wie wichtig Schluckauf sein kann, zeigt der Fall eines Mannes, . Der 60-Jährige hatte drei Tage lang Schluckauf und ging deshalb in eine Klinik. Dort wurde er untersucht und es zeigte sich, dass er eine lebensgefährliche Lungenembolie hatte. Sofort behandelt, wurde er gerettet und konnte wenige Tage später das Krankenhaus verlassen. Der Schluckauf hielt noch wenige Tage an und verschwand dann völlig.

Was wirklich gegen Schluckauf hilft

Meistens ist Schluckauf jedoch akut und bleibt nur für wenige Minuten bis Stunden. Lästig ist das Hicksen jedoch trotzdem. Und es gibt eine Menge Hausmittel, die helfen sollen – von dem Tipp, an drei Glatzköpfe zu denken bis dazu, den Betroffenen einfach zu erschrecken. Ein Ablenkungsmanöver kann also den Schluckauf „heilen“. Einen weiteren Versuch wert sind folgende Hilfen:

• Halten Sie ein paar Augenblicke lang die Luft an und atmen Sie dann langsam und gleichmäßig wieder aus.

• Trinken Sie ein großes Glas lauwarmes Wasser in kleinen Schlucken rasch hintereinander.

• Kauen Sie ein Stück Brot gründlich und schlucken Sie es in kleinen Portionen und in kurzen Abständen hinunter.

• Träufeln Sie etwas Apfelessig oder Zitronensaft auf ein Stück Würfelzucker und lutschen Sie es langsam.

Natürliche Hilfen gegen Schluckauf

Daneben gibt es noch sanfte Therapien gegen das lästige Hicksen. Massieren Sie Ihren Bauch in langsamen Kreisen im Uhrzeigersinn. Das beruhigt das irritierte Zwerchfell. Ebenfalls entspannend wirkt ein warmer Wickel in diesem Bereich.

Daneben kann auch Akupressur hilfreich sein. Stimulieren Sie dazu den sogenannten Taichong-Punkt. Er befindet sich auf dem Fußrücken in der Mulde hinter der Gelenkverbindung des ersten und zweiten Mittelfußknochens. Drücken Sie ihn mit dem Daumen, bis die Fußsohle etwas taub oder schwer wird. Führen Sie diese Behandlung zuerst am linken, dann am rechten Fuß durch.

Schluckauf vorbeugen

Meistens lässt sich das Hicksen ganz einfach vermeiden, indem langsam gegessen und getrunken wird. Meiden Sie große Mengen, denn dadurch irritieren Sie die Verdauung und können das Zwerchfell reizen. Gleiches gilt, wer mit vollem Mund spricht oder lacht. Trinken Sie nicht zu viel Alkohol, er gilt als einer der wichtigsten Risikofaktoren für akuten Schluckauf – auffälliges Hicksen ist nicht umsonst das einfachste Mittel für Schauspieler und Komiker, einen Betrunkenen darzustellen.

Quellen: Ärzteblatt: https://www.aerzteblatt.de/archiv/115013/Persistierender-Singultus-als-I... Informationen der Universitätsklinik Heidelberg, Therapiezentrum chronischer Schluckauf; Hiccup: Mystery, Nature and Treatment: http://www.jnmjournal.org/journal/view.html?doi=10.5056/jnm.2012.18.2.123

Autor: Monika Preuk

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