Pflanzen
Körpersprache der Bäume

Prof. Claus Mattheck versteht die Körpersprache der Bäume. Foto © SWR/Brigitte Karwath

Planet Wissen Magazin: Vorbild Baum – was wir von ihm lernen können

Das geheime Wissen der Bäume

  • Artikel vom 14. März 2016

Pünktlich zum Frühlingsanfang entfalten sich ihre Blätter. Doch die fest verwurzelten Riesen kennen noch mehr Tricks.

Der Frühling kommt in der Morgendämmerung. Sonntag, 20. März, um 5.30 Uhr ist es so weit. Streng astronomisch berechnet. So exakt geht die innere Uhr der Bäume natürlich nicht. Trotzdem wissen sie, wann sich die ersten Blattknospen öffnen dürfen. Einige Obstbäume nutzen dafür Mathematik: Sie zählen die warmen Tage. Erst wenn eine bestimmte Menge verstrichen ist, treiben sie aus und berauschen mit frischem Grün.

Bäume können zählen? Das ist nicht die einzige verblüffende Erkenntnis der Wissenschaft. Experten wie der Förster gie in Jena ist ein Team seit Jahren dieser geheimen Kommunikation auf der Spur. In Experimenten wiesen die Forscher nach, dass Pflanzen nicht nur ihre Nachbarn warnen, sondern auch per Duftstoffe die Feinde der knabbernden Schädlinge anlocken. Weit weniger erforscht ist das unterirdische Netzwerk der Bäume – eine Art "Wood Wide Web".

Dünne Pilzfäden durchziehen den Boden und wirken wie die Glasfaserkabel des Internets. Peter Wohlleben: "Durch diese Leitungen gibt der Pilz die Signale von einem Baum zum nächsten weiter und hilft ihnen dabei, Nachrichten über Insekten, Dürren und andere Gefahren auszutauschen." Pilze können auf diese Weise ganze Wälder vernetzen.

Clevere Überlebenskünstler

Die "Körpersprache der Bäume" entschlüsselt der Biomechaniker und Physiker Dr. Claus Mattheck (siehe TV-Tipp). Die fest verwurzelten Riesen gleichen einseitige Belastungen durch Wind oder andere Einflüsse aus, indem sie nur die Schwachstellen mit Holz verstärken und sich so selbst optimieren. Ein Maximun an Stabilität mit einem Minimum an Material! Dieses Prinzip überträgt Mattheck etwa auf Bauteile der Industrie. Autos, Waschmaschinen oder Rasierer werden so leichter und stabiler.

Lange Zeit war auch geheimnisvoll, wie Wasser bis in die höchsten Wipfel gelangt. Der Baum setzt dabei auf winzige Röhren im Stamm. Die Energie für den Transport kommt von der Sonne. Sie erhitzt die Luft und lässt Wasser in den Blättern verdunsten. Dabei entsteht eine Sogwirkung. Wie im Strohhalm steigen Wasser und gelöste Nährstoffe aufwärts.

Autor: KAI RIEDEMANN