Pflanzen
Tipps vom Pflanzenarzt

Gärtnermeister, Ratgeberautor und TV-Experte René Wadas liebt natürliche Helfer. / Fotos © Flora Press/Christine Ann Föll und Andreas Brunke/pix-event

22 Tipps vom Pflanzenarzt René Wadas

So wird der Garten gesund

  • Artikel vom 27. Mai 2019

Von Ameise bis Zünslerpech: Pflanzenarzt René Wadas gibt Tipps zu grünen Patienten und lästigen Plagen – völlig ohne Giftspritze.

Du machst mal was im Grünen! Sagten seine Lehrer. Schon als Schüler blühte René draußen auf wie Tulpen im Frühling. Ihn interessierten alle Wurzelwesen, vom kleinsten Trieb bis zum größten Baum. Doch sein Stiefvater verordnete eine Klempnerlehre. „Zum Glück ging der Klempner pleite“, erinnert sich René Wadas (49).

Dann folgte er seiner grünen Berufung, lernte Gärtner bis zum Meister. Bei den Prüfern eckte er an. „Ich war gegen die Chemiekeule. Vor 20 Jahren war der ­bienenfreundliche Garten kein Thema.“ Bei seiner Arbeit im Gartencenter und als Gärtner machte er immer wieder die Erfahrung: „Viele Kunden hatten das alte ­Naturwissen ihrer Großeltern nicht mehr parat, aber waren interessiert.“

Erste Hilfe für grüne Patienten

So begann seine Karriere als Pflanzenarzt mit grüner Apotheke im ebenfalls grünen Arztkoffer. Er päppelte Sorgenkinder der Kunden auf, machte Hausbesuche. Sein erster Patient: ein japanischer Zierahorn, der nicht wuchs. Diagnose: Staunässe. Therapie: bessere Drainage. „Mein Angebot kam gut an, aber davon leben konnte ich nicht“, so Wadas, der auch im Internet Sprechstunde hat (der-pflanzenarzt.de) und schon Anfragen aus Asien bekam.

2014 wurden NDR-Reporter auf ihn aufmerksam. Nach ihrem Porträt für „NaturNah“ wurde Wadas auch als TV-Experte bekannt. Sein erstes Buch entwickelte sich zum Bestseller, die mobile Praxis kam finanziell auf den grünen Zweig. Sein gerade erschienener zweiter Ratgeber „Der Pflanzenarzt“ (siehe Buchtipp Seite 25) ist unbedingt empfehlenswert: gut nachvollziehbare Tipps, interessante Hintergründe und eine stimmige Gartenphilosophie.

Wadas lebt mit Frau, Kindern, Hühnern und Kaninchen im niedersächsischen Börßum. Auf der Hälfte seines 5000-Quadratmeter-Gartens baut er Gemüse an. Und das braucht ihn heute: Er will noch mit der Fräse durch die Kartoffeln. Die Lehrer hatten recht: Der muss ins Grüne!

22 Tipps vom Pflanzenarzt René Wadas

1. Echter Mehltau: Milch gegen Mehltau

Problem Der auch Schönwetterpilz genannte Erreger liebt kuschelige Temperaturen ab 20 Grad bei hoher Luftfeuchtigkeit. Entsprechend gern befällt er die Lieblinge des Sommers: Rosen, Kernobst, Stachelbeeren, Gemüse.
Tipp Etwas Vollmilch (keine H-Milch!) im Verhältnis 1 : 6 bis 1 : 8 mit Wasser verdünnen, einmal wöchentlich auf die Pflanze spritzen – wirkt auch vorbeugend.


Eingeschleppt: Amerikanischer Stachelbeermehltau (linkes Foto) © Imago. Empfindliche Königin: Alle mögen Rosen, leider auch die Pilze (rechtes Foto) © Almgren/Shutterstock.

2. Falscher Mehltau: Tee auf Tau

Problem Der sehr hartnäckige Pilz frisst sich durch das Blatt, bildet darunter Pilzrasen, oben Flecken. Häufig an alten Rosen, aber auch an Gemüse.
Tipp Wird oft mit Rosenrost oder Sternrußtau verwechselt. „Aber beim Mehltau bleiben die Blätter lange dran“, so Wadas. Vorbeugend und in frühem Stadium: 100 g Meerrettich in 1 Liter Wasser 5 Minuten kochen, auf 5 Liter verdünnen, besprühen.


Falscher Mehltau im Spätstadium: Flecken oben auf dem Blatt / Foto © Hauser/DPA Picture-Alliance

3. Ameisen: Besser als ihr Ruf

Problem Insektenvolk im Blumenkübel.
Tipp „Ameisen sind die Müllpolizei, die Abgestorbenes und Schädlinge holt. Wir sollten die geschützten Tiere gewähren lassen“, so Wadas. „Bei extremem Befall kann man sie mit kaltem (!) Wasser von oben vielleicht zum Umzug bewegen.“


© Ruckszio/Shutterstock.

4. Blattläuse: In die Nesseln setzen

Problem Die Winzlinge saugen mit ihrem Stechrüssel zuckerhaltigen Pflanzensaft.
Tipp Mit Brennnessel behandeln. Dafür zwei Hände voll Brennnesseln in einen Eimer geben, zwei Liter kaltes Wasser daraufgießen, zwölf Stunden ziehen lassen. Pflanzen gründlich einsprühen. Sud nicht gären lassen, sonst verliert das Nesselgift seine Wirkung. Und: Nistkasten für Meisen aufhängen. „Die holen viele Blättläuse“, so Wadas.

5. Wühlmäuse: Stinkbomben aus Schnaps

Problem Sie hinterlassen ähnliche Hügel wie Maulwürfe, aber richten viel mehr Schaden an: Wühlmäuse fressen Tulpenzwiebeln sowie die Wurzeln von Blumen, Gemüse und Obstbäumen.
Tipp: Die durchaus niedlichen Plagegeister haben eine feine Nase, Übelriechendes treibt sie in die Flucht. Einfach etwas billigen Fusel, Fischlake oder Buttersäure in die Erdlöcher kippen. Achtung: Ausweg aus dem Garten lassen. Maulwürfe hingegen in Ruhe buddeln lassen, sie stehen unter Schutz


Robuste Nager: Wühlmäuse trotzen tief im Boden selbst strengem Frost / Foto © Bevan/DPA Picture-Alliance.

6. Junikäfer: Sand ins Gebiss

Problem Wird der Rasen dunkel, könnten die Larven des Junikäfers die Ursache sein, denn die fressen die Wurzeln an.
Tipp Feines Urgesteinsmehl in den Boden einarbeiten. „Das mögen die Engerlinge nicht“, rät Wadas. „Das Steinmehl knirscht sozusagen zwischen ihren Zähnen.“

7. Nacktschnecken: Wurmfarn auslegen

Problem Spanische Wegschnecken fressen jungen Salat und Kohl.
Tipp Zweige des giftigen Wurmfarns im Beet verteilen und ablenkende Futterstellen anlegen. Stücke von Terrassendielen auslegen. Darunter ruhende Schnecken absammeln. Tigerschnegel leben lassen, sie fressen auch dunkle Nacktschnecken.


Guter Kriecher: Tigerschnegel fressen altes Blattwerk und lästige Wegschnecken / Foto © Bailey/Alamy

8. Spinnmilben: Wasser marsch!

Problem Weiße Gespinste an Blättern von Zierpflanzen und Obstbäumen
Tipp Die Pflanzen tagsüber mit Wasser ­besprühen, denn die zähen Spinnentiere mögen trockene Wärme. Zur Stärkung der Pflanze Efeutee kochen und mit dem Gebräu auch die Blatt­unterseite ­besprühen.


Foto © Chapman/Flora Press

9. Weiße Fliegen: Ende à l’Orange

Problem Kleine weiße Fliegen an den Tomaten.
Tipp Gegen die Fliegen der Mottenschildlaus hilft Orangenöl. „Unbedingt genau dosieren, denn
das Orangenöl ist sehr ­aggressiv“, rät Pflanzenprofi Wadas. Vier Milliliter auf einen Liter warmes Wasser, dazu einen Schuss Spülmittel
geben und schüttelnd besprühen.


Ein Hauch von Italien: Tomaten fühlen sich auch auf Balkonien wohl / Foto © Alamy

10. Lilienhähnchen: Weichen mit Eichen

Problem Die roten Lilienhähnchen verputzen das Blattwerk von Liliengewächsen wie Kaiserkronen. Auch Zwiebelpflanzen wie Allium sind häufig Opfer der gefräßigen Larven und Käfer.
Tipp Liliengewächse früh im Jahr mit Neem behandeln, dann entwickeln sich deutlich weniger Käfer. Die Pflanzen mit Tee aus Eichenrinde und Salbei besprühen, Käfer dann absammeln.


Foto © Krenzer/Getty Images

11. Rosenrost: Knoblauch kann’s

Problem Der sehr lästige, ausdauernde Pilz bildet oben auf dem Blatt gelbe oder rote Flecken. Die Blätter vergilben und werden vorzeitig abgeworfen.
Tipp Auf Hygiene achten, befallene Blätter und Zweige im Hausmüll entsorgen. „Mein Rosenzauber ist Knoblauch mit Zwiebel, dann kommen Pilze und Läuse viel später“, so Wadas. Dafür eine große Knolle Knoblauch und eine große, geschnittene Zwiebel in 1 Liter Wasser auskochen, auf 5 Liter verdünnen.


Tolle Knolle: Tee aus Knoblauch hält Parasiten in Schach / Foto © Kutsenko/Shutterstock

13. Buchsbaumzünsler: Neem gegen Nimmersatt

Problem Die Raupe des Buchsbaumzünslers frisst die Kugel kahl.
Tipp Den Buch auch innen mit Neebaumsaft besprühen – nur frühmorgens oder abends. Am Rag darauf mit Algenkalk bepudern und alle paar Wochen wiederholen. Geduld haben!


Mümmelmonster: Völlig vertreiben lässt sich der Buchsbaumzünsler selten. / Foto © DeTweede/Getty Images

13. Kartoffelkäfer: Öl auf die Nase

Problem Die gestreiften Insekten sehen nett aus, sind es aber nicht. Larven und Käfer fressen ganze Kartoffelfelder kahl, ein Weibchen legt 1200 Eier.
Tipp Der stark nach ätherischen Ölen duftende Rainfarn nervt Schnecken, Läuse – und Kartoffelkäfer. Pflanzen mit einem Tee aus Rainfarn besprühen.

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14. Problem: Petersilie wird gelb

Tipp Diese Verfärbung ist eine Mangelerscheinung. „Unsere heimischen Kräuter brauchen viele Nährstoffe“, sagt der Pflanzenarzt. „Deshalb viel düngen, mehrmals mit Kräuterdünger. Petersilie wächst übrigens auch im Halbschatten.“

15. Problem: Mediterrane Kräuter verkümmern

Tipp Rosmarin, Salbei und Basilikum werden oft überdüngt, aber lieben karge, sandige Böden und Kräutererde.

16. Problem: Käfer, Spinnmilben, Raupen, Läuse, Schnecken oder Pilzbefall

Tipp Azadirachtin ist der wichtigste Inhaltsstoff des exotischen Wunderbaums Neem oder Niem. Es wirkt gegen Schädlinge aller Art, schont aber Nützlinge. Befallene Blätter direkt mit Neem behandeln, aber nur frühmorgens und abends. Im Gießwasser stärkt Neem die Pflanze von innen heraus.


Neemöl: Der Baum gilt als Geschenk des Himmels / Foto © Shutterstock

17. Problem: Der Dickmaulrüssler frisst halbkreisförmige Löcher in die Blattränder von Rhododendren

Tipp Viel gefährlicher sind die hungrigen Larven an den Wurzeln. Dagegen haben sich Nematoden, winzige Fadenwürmer, bewährt. In den Boden einarbeiten.

18. Problem: Zu wenig Insekten

Tipp Viele Blühpflanzen, etwas Unordnung, alte Hölzer und keine Chemie!

19. Problem: Braune Blattspitzen am Japanischen Zierahorn

Tipp Die braunen Spitzen deuten auf Staunässe hin. Boden lockern, Drainage.

20. Problem: Ameisen an den Blüten der Pfingstrose

Tipp Ist kein Problem, sondern hilft der Pfingstrose beim Erblühen. Generell: Pfingstrosen lieben es standortreu. Nach einer Umsetzung braucht sie manchmal sieben Jahre bis zur ersten Blüte.


Gartenexperte René Wadas nimmt Grünes unter die Lupe. / Foto © Andreas Brunke/pix-event

21. Problem: Schrotschusskrankheit mit rotbraunen Flecken/Löchern auf den Blättern eines Kirschbaums

Tipp Wer diese heimtückischen Blattflecken sieht, sollte sofort die jungen Triebe zurückschneiden. Ältere sind robuster. Vorbeugend: Nach einem nassen Frühjahr Bäume oder Sträucher mit einem Tee aus Meerrettich behandeln.

22. Problem: Sternrußtau

Tipp Auf gute Durchlüftung achten und befallene Blätter absammeln. Organischen Dünger mit einer Extraportion Kali zur Stärkung verwenden. Keinen Blaudünger oder Stickstoff. Vorbeugend: Tee aus Ackerschachtelhalm plus Knoblauch. Die Kieselerde aus dem Schachtelhalm festigt das Blatt.

WEBSITE

der-pflanzenarzt.de


Foto © Rowohlt

BUCHTIPP

Rene Wadas
„Der Pflanzenarzt – Mein großes Praxisbuch für Garten und Balkon“
Rowohlt, 288 S., 12, 00€

Autor: Dago Weychardt