Tiere
Rendezvous der Zackenbarsche

In einer gigantischen Orgie paaren sich die Zackenbarsche bei Vollmond.
Foto: ARTE France / © Les films d'ici

Meeres- und Taucher-Doku

"Rendezvous der Zackenbarsche" auf Arte

  • Artikel vom 09. Juli 2015

Unterm Julivollmond treffen sich in der Südsee Tausende Zackenbarsche zum Laichen. Die Haie warten schon auf sie. Die Doku "Rendezvous der Zackenbarsche" zeigt "das gefährliche Fest des Lebens".

Es ist ein traumhafter Ort für eine Hochzeit: üppige Palmen, seidige Strände, die Abgeschiedenheit der Südsee. Das Fakarava-Atoll, 490 Kilometer nordöstlich von Tahiti, ist von der Sonne verwöhnt, von der Welt vergessen. Doch unter Wasser wird es einmal im Jahr zum Schauplatz eines Liebesdramas.

Der Laichplatz der Zackenbarsche

In der Südpassage des Atolls, die als natürlicher Korridor die Lagune mit dem Meer verbindet, warten Tausende Getarnte Zackenbarsche im Juli auf den Vollmond, um ein gigantisches "Fest des Lebens" zu feiern – bei dem immer auch der Tod lauert. "Zwar versammeln sich viele größere Fischarten zum Laichen, aber das dauert oft nur ein paar Stunden," erklärt der französische Meeresbiologe Laurent Ballesta. "Doch die Barsche treffen sich Wochen vor dem Stichtag und locken so scharenweise Haie an. Zudem führen die Männchen harte Rivalenkämpfe. Warum verschwenden sie Energie, wenn sie am Hochzeitstag alle dieselbe Chance zu haben scheinen?"

"Rendezvous der Zackenbarsche" im TV

Ballesta und eine Gruppe französischer und polynesischer Forscher, Filmleute und Taucher wollten das alljährliche Naturspektakel ergründen. Dabei entstand die spannende Doku "Rendezvous der Zackenbarsche"
(Sa., 11.7., Arte, 20.15 Uhr, s. auch TV-Tipps rechts und in unserem TV-Programm).

Die Dreharbeiten zur Doku

Das Team installierte an strategisch wichtigen Punkten Unterwasserkameras, kartografierte den Meeresgrund in 3-D und zählte die Fische nach wissenschaftlichen Methoden. Ergebnis: In der Südpassage tummeln sich im Juli 18.000 Barsche und 700 Graue Riffhaie. "Es ist die größte bekannte Versammlung dieser Zackenbarsche", sagt Ballesta.

Tagsüber schwimmen die Haie meist träge umher. "Nachts aber ergreift sie das Jagdfieber", so der Forscher. "Sie jagen in Gruppen am Boden und rempeln potenzielle Opfer an." Ballesta entdeckte auch die Täuschungsstrategie der Barsche: "Sie stellen sich tot, denn Haie reagieren auf Bewegungen."

Die Paarung der Zackenbarsche

Am Tag der Entscheidung, dem Tag des Vollmonds, lassen sich mehrere Taucher an der Südpassage ins Meer gleiten. "Dann herrscht dort die stärkste Gezeitenströmung am Atoll", so Ballesta. "Deshalb ist die Passage auch die ideale Laichstätte: Die Eier werden von dort aus am weitesten in den Pazifik hinausgetragen, wo ihre Überlebenschance viel höher ist als am Riff."

Die Weibchen warten mit ihren von Eiern geblähten Bäuchen am Boden auf den großen Moment. Einige Männchen stoßen hinab und kneifen sie in die Bäuche, um das Laichen anzuregen. Wenn die Weibchen schließlich hochsteigen, ist das Wasser milchig von Millionen Eiern und Samen. "Diese schiere Masse ist der Trick", erklärt Ballesta. "So viele Eier können unmöglich von Fressfeinden erbeutet werden."

Der Zeugungsakt verläuft blitzschnell. Eine Zeitlupe mit 1.000 Bildern pro Sekunde zeigt: Das laichende Weibchen ist nicht allein. Ein Verehrer schwimmt exklusiv an ihrer Seite. Wange an Wange gleiten sie dahin. Doch der Paarungstanz währt nur einen Wimpernschlag. Dann umringen Rivalen die beiden, geben ihre Spermienwolken hinzu. "Die Startposition hat sich das Männchen über Wochen erkämpft", folgert Ballesta. "So haben die stärksten Männchen die größte Chance auf Nachkommen – und dafür riskieren sie ihr Leben."

Autor: D. W.