Reisetipps
Reisecheck Autobahn

Schlaglöcher, Staus, Stress! Wer mit dem Auto durch Deutschland reist, kann etwas erleben.
Leider nicht nur Gutes. Der Fernstraßen-Check. - Foto © PHOENIX/SR/P. d'Angiolillo

Autobahnen im Test

Im TV: "Der Reise-Check"

  • Artikel vom 19. April 2015

Es ist eine Art Hassliebe. Einerseits sind wir stolz auf unsere Autobahnen, um die uns auch viele Nationen beneiden. Unser Fernstraßennetz ist eines der dichtesten der Welt und mit fast 13.000 Kilometer das viertlängste der Erde. Unschlagbar, wenn man von A nach B will. Einzigartig, weil man mancherorts tatsächlich noch so schnell fahren darf, wie es das Auto hergibt. Andererseits sind die Autobahnen an vielen Stellen ganz schön in die Jahre gekommen: Der Asphalt hat Risse, manchmal Schlaglöcher, Brücken sind marode, wir stehen immer länger im Stau.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 2014 erreichte das Stauaufkommen mit insgesamt 960.000 Kilometer einen traurigen Rekord. In 475.000 Staus steckten deutsche Autofahrer insgesamt 285.000 Stunden fest: umgerechnet 32 Jahre. Unfassbar! "Der Reise-Check" widmet der Autobahn eine ganze Ausgabe (Start der Reihe am 20.4., 20.15 Uhr, Das Erste, siehe auch TV-Tipps rechts)

Susanne Gebhardt hat Autobahnen gecheckt

Exklusiv in HÖRZU verrät ARD-Moderatorin Susanne Gebhardt, zu welchen Erkenntnissen sie und ihr Team in mehr als zwölf Monaten Recherche gelangt sind. "Staus, Baustellen, Fahrverhalten sowie Raststätten und Autohöfe stehen im Mittelpunkt der Sendung", erklärt die TV-Reporterin vorab. "Dabei war es allerdings nicht unser Ziel, einfach nur Missstände anzuprangern. Schließlich kann wohl kaum jemand ganz darauf verzichten, Autobahnen zu nutzen. Deshalb versuchen wir auch, Tipps zu geben, wie eine Fahrt durch Deutschland trotz aller Schwierigkeiten etwas angenehmer verlaufen kann."

Größtes Problem: Die Sanierung maroder Abschnitte geht längst nicht so schnell voran, wie es nötig wäre. Und das, obwohl im vergangenen Jahr mehr Baustellen eingerichtet waren als je zuvor. Gebhardt: "Laut Bundesverkehrsministerium gab es 2014 rund 1000 Baustellen längerer Dauer, das heißt über mindestens vier Tage. Hinzu kommen nach Auskunft der Bundesländer noch einmal deutlich mehr als 50.000 Tagesbaustellen oder solche von kürzerer Dauer als vier Tage, die dem Bund nicht gemeldet werden, weil sie Ländersache sind."

Es wird demnach fleißig am Zustand der Autobahnen gearbeitet – aber offensichtlich nicht fleißig genug. Unglaublich: Nach Recherchen der ARD-Redaktion ist gar nicht immer der oft bemühte Geldmangel Grund für den Sanierungsstau. "Teilweise ist das Geld für die Arbeiten sogar vorhanden und wird einfach nicht abgerufen. Fakt ist: Es gibt kein richtiges Baustellenmanagement und teilweise keinerlei Übersicht über die Maßnahmen der einzelnen Bundesländer", so Susanne Gebhardt. "Zudem ist das Verkehrsaufkommen über die Jahre deutlich stärker gewachsen als erwartet."

Von Rasern und vom Rasten

Klingt sehr danach, als müssten wir auch in Zukunft deutlich öfter im Stau stehen, als uns lieb ist. Was also kann jeder Einzelne tun, um möglichst zügig und sicher unterwegs zu sein? Susanne Gebhardt rät: "Wir haben etwa im Selbstversuch getestet, wer schneller ans Ziel kommt: der Raser, der immer Vollgas fährt, oder der, der sich an die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h hält. Tatsächlich kommen die Raser nicht schneller voran als alle anderen. Sie verlieren allerdings schneller die Konzentration und laufen so natürlich eher Gefahr, einen Unfall zu verursachen."

Entwarnung gibt es auch für all jene, die im Stau immer das Gefühl haben, auf der falschen Spur zu sein, nämlich auf jener, auf der es langsamer vorangeht. "Wissenschaftliche Tests haben ergeben, dass es sich hierbei um eine rein subjektive Wahrnehmung handelt, weil wir nur nach vorn orientiert sind und sehen, wer alles an uns vorbeifährt, aber nicht wahrnehmen, wen wir selbst überholen", so die Moderatorin.

Übrigens: Wer sich nicht auskennt, sollte auch bei Stau nicht von der Autobahn abfahren. In vielen Fällen bringt diese Taktik nämlich überhaupt keinen Vorteil. Letzter und wichtiger Punkt: Wer lange unterwegs ist oder sogar im Stau steht, kommt nicht umhin, auch mal eine Raststätte anzufahren. Was leider in vielen Fällen ebenso teuer wie unhygienisch ist.

Das ARD-Team nahm einige Raststätten unter die Lupe sowie einige Autohöfe, die meist nicht direkt an der Autobahn liegen. Ergebnis: "Nicht alles, was sauber aussieht, ist auch sauber. Das Unternehmen Sanifair verteidigt sein kostenpflichtiges System auf den deutschen Rasthöfen mit der entsprechenden Sauberkeit und Hygiene. Die 70 Cent pro Toilettengang sind vor allem ein Geschäft mit dem Geschäft. Sauber ist es auch bei Sanifair nicht", so Gebhardt. Interessant: In Österreich sind das kulinarische Angebot und die hygienischen Verhältnisse an kleineren Raststätten oft deutlich besser als an vielen deutschen. Der Grund: Dort fließen vor allem Mautgelder in die Hygiene. In diesem Sinn: Gute Reise!

Autor: Nicole Stroschein