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Dr. Holloway (Heino Ferch) und Umbi (Bento Odorico Muguambe)
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Dr. Holloway (Heino Ferch) und Umbi (Bento Odorico Muguambe). Foto: © ARD Degeto/Bavaria/Yellow Bird/D. Guhr

Thrillerdrama "Kennedys Hirn"

Interview mit Heino Ferch alias Dr. Holloway

  • Artikel vom 30. März 2010

Die ARD zeigte am 03.04 um 20.15 die Henning-Mankell-Verfilmung "Kennedys Hirn" in Erstausstrahlung. Heino Ferch brilliert in der Rolle des Dr. Christian Holloway, den Leiter der privaten HIV-Klinik in Xai-Xai. Im Interview spricht der TV-Star über die schwierigen Dreharbeiten und gewisse Security-Regeln.

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HOERZU: Kannten Sie den Roman "Kennedys Hirn", bevor Sie für den Dreh engagiert wurden?

Heino Ferch: Nein, aber andere Romane von Henning Mankell, etwa "Die Rückkehr des Tanzlehrers" und die Kurt-Wallander-Krimis. Mankells Engagement für Afrika ist groß, er lebt ja unter anderem in Maputo. Ich glaube, er ist nicht glücklich darüber, dass ihn die Welt hauptsächlich wegen seiner Wallander-Romane kennt, denn er möchte den Blick der ersten Welt auf Afrika verändern.

HOERZU: Welche Gefühle hat das Lesen des Drehbuchs in Ihnen ausgelöst?

Heino Ferch: Ein großes Interesse. Das Thema des Buchs ist, dass große Konzerne versuchen, das Ei des Kolumbus zu erfinden, indem sie einen Impfstoff gegen HIV entwickeln. Um dieses Serum, das vergleichbar wäre mit einer Gelddruckmaschine, zu bekommen, testen sie Impfstoffe am lebenden Objekt – dem Menschen.

HOERZU: Inwiefern berührt Sie der Film-Inhalt emotional? Welche Gefühle löst das Wissen um derartige Menschenversuche in Ihnen aus?

Heino Ferch: Das ist etwas, was gar nicht geht. In Deutschland haben Menschenversuche natürlich eine ganz eigene Vergangenheit, aber so etwas muss prinzipiell rechtlich untersagt, strafrechtlich verfolgt und juristisch hart bestraft werden. Im Film sagt meine Figur: "Wenn ich Millionen Menschen helfen kann, würde ich dafür ein paar Menschenleben opfern." So ein Satz bringt einen natürlich zum Nachdenken – und polarisiert. Doch meine Figur handelt im Auftrag eines großen Pharma-Unternehmens, das ihn nach der Enttarnung umbringen lässt.

HOERZU: Sind Sie zum ersten Mal in Mosambik? Und wie gefällt Ihnen Maputo?

Heino Ferch: Ich bin zum ersten Mal hier. Wenn man vom Flughafen in die Stadt fährt, sieht es zum Teil aus wie im Ostblock vor dem Mauerfalls. Zwischendrin gibt es jedoch auch portugiesische Architektur, die unheimlich charmant ist.

HOERZU: Hitze, Schlangen, Security – ist das hier ein normaler Dreh?

Heino Ferch: Nein. Während in Deutschland ein Schneegestöber herrscht, sitzen wir hier bei 30 Grad. An die Hitze gewöhnt man sich schnell, und Schlangen habe ich noch keine gesehen. Doch unser Standfotograf wurde von einer Schlange gebissen, die plötzlich aus dem Gras hochschnellte, jetzt hat er geschwollene Lymphknoten und einer seiner Gesichtsnerven wird für rund zwei Monate gelähmt sein. Nie barfuss durch das Gras gehen, so lautet eines der obersten Gebote in Maputo.

HOERZU: Außerdem gelten beim Dreh in Mosambik und Südafrika gewisse Security-Regeln – etwa, dass die Schauspieler nicht allein durch die Stadt ziehen sollen. Richtig?

Heino Ferch: Gewisse Touren durch die Stadt habe ich nur mit dem Hotel-Chauffeur gemacht, um einen Einblick zu bekommen. Doch ansonsten bleibe ich lieber im Hotel, wenn die Produktion dazu rät.

HOERZU: Kennen Sie HIV-Infizierte?

Heino Ferch: Ich habe während meiner Hochschulzeit bei den Salzburger Festspielen gespielt. Damals bin ich zum ersten Mal in Kontakt gekommen mit der Krankheit und habe selbst erlebt, wie Kollegen krank wurden und an Aids gestorben sind. Damals gab es viel Berührungsangst und es setzten sich damals alle sehr stark mit der Krankheit auseinander. Heute ist die Situation durch neue Medikamente natürlich anders, aber die nach wie vor unheilbare Krankheit Aids bleibt eine große Herausforderung für uns alle.

HOERZU: Herr Ferch, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Autor: Mike Powelz

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