Krimi-Spezial
Schauspielerin Iris Berben nimmt Abschied von ihrer Rolle als Rosa Roth.
Zur Bilderstrecke

Schauspielerin Iris Berben nimmt Abschied von ihrer Rolle als Rosa Roth. / Foto: © dpa

Im Interview

Iris Berben über das Ende von ''Rosa Roth''

  • Artikel vom 12. Oktober 2013

Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören. Das war schon Iris Berbens Devise, als sie in den 80ern entschied, "Sketchup" zu beenden, obwohl die Comedyreihe sie berühmt gemacht hatte. Nun steht wieder ein Abschied bevor: Am 12. Oktober läuft die letzte Episode ihrer erfolgreichen Krimireihe ''Rosa Roth''. HÖRZU sprach mit dem TV-Star über die Hintergründe – und die Vorteile des Alters.

HÖRZU: Frau Berben, nach 20 Jahren ist Schluss mit "Rosa Roth". War das Ihre Entscheidung oder die des ZDF?

Iris Berben: Ich habe es entschieden – und das ganz bewusst. Das ZDF hätte gern weitergemacht. Der Gedanke ans Aufhören begleitet mich aber schon viele Jahre. Ich habe oft darüber nachgedacht, wann der richtige Zeitpunkt wäre. Jetzt ist er richtig. 20 Jahre sind eine gute Zeitspanne für eine Reihe. Ich wollte Platz schaffen, für mich, für Neues – auch für den Zuschauer.

HÖRZU: War "Rosa Roth" von Anfang an als Reihe gedacht?

Iris Berben: Das war der Plan, aber der stieß beim Sender zuerst auf Zurückhaltung. Als wir 1992 anfingen zu drehen, gab es nur eine weibliche TV-Ermittlerin: im ''Tatort''. Der Krimi war eine Männerdomäne. Doch wir wollten keinen üblichen Krimi drehen, sondern einen Film über das neue, raue Berlin nach dem Mauerfall, mit einer Frau, die über den Berufsstand Kommissar aus weiblicher Sicht erzählt. Nach den Dreharbeiten blieb der Film ein Jahr lang liegen. Er hat dann quotenmäßig Rekorde gebrochen. Ab da gab es grünes Licht für eine Reihe.

HÖRZU: Haben Sie über die Jahre ein enges Verhältnis zu den Kollegen entwickelt?

Iris Berben: Ich bin ein Teamworker. Mit den Kollegen Thomas Thieme und Carmen-Maja Antoni bin ich auch privat befreundet. Ich lege Wert auf gute Schauspielkollegen, aber ich will auch wissen, wer sind die Beleuchter, wer die Fahrer? Filmen ist ein intimer Akt, man kann nur mit, nicht gegeneinander arbeiten. Natürlich geht es auch anders, aber ich denke, dass dies mein Weg ist.

HÖRZU: Im letzten Fall gibt es eine vielsagende Szene: Der Computertechniker schiebt Ihrer jungen Kollegin seine Visitenkarte zu – für ein Date. Zu Ihnen sagt er ...

Iris Berben: "Wenn Sie mal ein Problem haben, rufen Sie an." Das sind schöne kleine Szenen, die etwas erzählen: den Alltag, die Realität. Das merkt man an sich selbst. Es ist ein gesundes Teilnehmen an der Gesellschaft, wenn man begreift, dass sich die Koordinaten mit dem Altern verschieben. Man soll nicht der Jugend hinterherhecheln. Viel wichtiger ist Wachheit, dass man interessiert und neugierig bleibt.

HÖRZU: Und wenn der Mann nur auf die 35-Jährige abfährt, dann ...

Iris Berben: Dann ist das so. Wer weiß denn, ob ich den 35-Jährigen überhaupt möchte? (Lacht)

HÖRZU: Rosa Roth sagt: "Ich bin aus der Zeit gefallen, ich nutze kein Internet." Noch etwas, das Sie mit Ihrer Heldin teilen?

Iris Berben: Ja, das gebe ich zu. Aber ich bin auch privilegiert, weil ich ein Büro habe, das mir diese Arbeit abnimmt. Wenn ich das nicht hätte, würde ich mich natürlich umstellen.

HÖRZU: Wie viele Filme drehen Sie im Jahr?

Iris Berben: In diesem Jahr war ich brav: Es waren nur drei. Aber sonst sind es eher fünf. Dazu kommen noch viele Lesungen, die Arbeit als Präsidentin der Filmakademie und aktuell noch die Arbeit in der Jury für die GOLDENE KAMERA von HÖRZU.

HÖRZU: Betrachten Sie diese Vielfalt auch als Vorteil des Alters?

Iris Berben: Womöglich entsteht die Unterschiedlichkeit durch das Alter. Ich bin selbst erstaunt, wie präsent ich bin: Als Nächstes kommt "Wagner", wo ich die Cosima spiele, eine völlig andere Rolle als im letzten Jahr etwa "Die Kronzeugin" aus dem Prostituiertenmilieu. Ich weiß, es gibt nicht viele, die so selbstbestimmt arbeiten können wie ich. Ich habe Glück. Ich suche mir auch stets Komplizen – geistige Komplizen, die den Beruf ähnlich definieren. Ich will lachen und Freude am Set haben. Es ist Lebenszeit, und die will ich gut ausfüllen und mir nicht stehlen lassen.


Sendehinweis: ''Rosa Roth: Der Schluss''

Finale der Krimireihe
Mit Iris Berben, Thomas Thieme, Devid Striesow
SA, 12.10., ZDF, 20.15 UHR

Autor: Sabine Goertz-Ulrich

Anzeige